Die Wahl der Qual

Als Anfänger eine Entscheidung zu treffen welche Gitarre und welcher Amp das richtige Equipment für die Musik ausmachen die man spielen möchte bzw. worauf zu achten ist und was nötig ist für das was man spielen will, stellt einen schon vor ungeahnten Herausforderungen - als würde man autodidaktisch eine komplett neue Sprache lernen. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll. Meist wird jedoch unterschätzt welches Plektrum das Richtige ist, weil ein Plektrum im Vergleich zu einem ordentlich ausgestatteten Verstärker wenig kostet. Das kann dann allerdings zur falschen Haltung, oder schlechtem Spielgefühl führen. Daher will ich in diesem Blog für etwas Aufklärung sorgen.

 

Zuerst einmal: Brauche ich überhaupt ein Plektrum? Nein, brauchst du nicht. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass es Menschen gibt die mit den Fingern genauso schnell spielen können, wie es andere mit einem Plektrum tun. Ja, auch im Bereich Rock/Metal. Die Frage ist, ob du deine zarten Fingernägel in Mitleidenschaft ziehen möchtest, wenn du einen Song auf 200BPM auf einer E-Gitarre mit Stahlsaiten nach spielen möchtest und ob es dann nicht doch auch einfacher wäre mit einem Plek. Die andere Frage ist: Was möchtest du generell spielen? In härteren Musikgenres ist es natürlich üblich ein Pick zu verwenden.

Stehst du also vor der Qual der Wahl und möchtest mit einem Plektrum spielen - vielleicht weil es dein Lehrer so vorgibt oder einfach nur weil es deine Vorbilder auch so machen - dann wirst du vermutlich diverse Foren, Facebook und Ratgeber aufsuchen. Wie es dann immer so läuft triffst du Nerds, die dich verurteilen weil du es nicht besser weißt oder einige gnädige Kommentare wie: "Geh ins Musikgeschäft und probiere ein paar Picks aus" oder im besten Fall: "Ich benutze  XY, kann ich nur empfehlen." Verwirrt mit einem Hauch einer Ahnung ziehst du dann los und kaufst empfohlenen Fingernagelschoner, kommst Heim und spielst. Als Anfänger gehst du dann davon aus: "So muss es sich wohl anfühlen" ohne es besser zu wissen und als etwas fortgeschrittener Gitarrist verzweifelst du noch etwas mehr, gibst die Suche allmählich auf oder (wie ich) siehst die Suche als Weg zum Ziel indem du dich immer für das bessere Plektrum entscheidest bis du irgendwann mal das richtige Exemplar erobert hast. 

Kleiner Exkurs: Plektren werden für unterschiedliche Musikinstrumente genutzt. Meist finden sie Verwendung sobald der Einsatz von Stahlsaiten ins Spiel kommt. Hauptschlich werden Kunststoffplektren benutzt, was wohl mit dem günstigen Herstellungs- und Verkaufspreis zusammen hängt. Picks können aber auch aus anderen Materialen wie Zelluloid, Casein, Holz, Stein, Stahl, Aluminium, Titan, Horn, Knochen, Perlmutt, Filz, Leder und Acrylglas bestehen. Jedes Material erzeugt auf dem gespielten Instrument einen anderen Klang. Je nach gewünschtem Klang, kann man sich dann für ein Material entscheiden. Will ich Lagerfeuermusik auf einer Westerngitarre spielen, wäre ein Holzplektrum beispielsweise schon mal eher ungeeignet, da Holzpicks nicht unter 1mm Stärke gefertigt werden können und die gewünschte Musik einen weichen Anschlag des Pleks verschönert. Holzpleks unter 1mm würden übrigens beim Anschlagen splittern. Steinpicks werden erst ab 2 mm  gefertigt. Außer dem Material ist natürlich auch die Form und Größe sowie die erwähnte Stärke - also Dicke - zu betrachten. Zur Form und Größe repräsentiere ich hier mal eine Reihe von Plektren, die meine Sammlung im Laufe der Jahre vergrößert haben.

 

Folgende Stärkenkategorien sind im Internet zu finden: Light zwischen 0,5 und 0,7 mm, medium zwischen 0,7 und 0,9 mm, heavy zwischen 0,9 und 1,2 mm sowie extra heavy über 1,2 mm. Will ich mir also ein geeignetes Plektrum aussuchen muss ich Stärke, Material, Form und Größe in Augenschein nehmen.

 

Natürlich gehört zu der Wahl des Plektrums auch eine gewisse Erfahrung und eventuell verändern sich die eigenen Präferenzen von Zeit zu Zeit, aber unter Betrachtung der vier oben erwähnten Attribute kann man die Auswahl schon mal eingrenzen. Angefangen bei der Stärke, für welche Eigenschaft eines Picks man sich relativ leicht entscheiden kann, arbeiten wir uns mal voran.

 

Warum gibt es eigentlich unterschiedlich Dicke Plektren, oder welche Auswirkung haben die unterschiedlichen Picks im Vergleich zueinander? Je dünner ein Plektrum ist, desto mehr schwingt es nach und desto dicker bzw. stärker ein Plektrum ist, umso widerstandsfähiger ist es und schwingt weniger nach. Vorteil eines dünnen Plektrums ist es, dass der Sound der Saiten bei vollen Akkorden wesentlich voller und angenehm weich klingt. Sie eigenen sich also z.B. wunderbar für Balladen oder einfache Akustikstücke. Ein dickes Plektrum hat den Vorteil ein hartes Attack zu erzeugen und sie eignen sich für ein sehr schnelles und präzises Spielen, da sie wenig bis keine Eigenschwingung aufweisen. Je nachdem was man also spielt, kann man somit schon mal seine ideale Stärke einklammern. Ich persönlich kenne niemanden der dauerhaft ein Plek unter 1,2 mm Stärke benutzt.

In den meisten Geschäften und bei Online-Händlern finden wir zu mindestens 95% nur Kunststoffplektren. Allein diese Tatsache schränkt unsere Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Materialauswahl deutlich ein. Andere Plektren zu bekommen, stellt zwar auch kein übergeordnet großes Problem dar, aber man muss einen höheren Preis in Kauf nehmen. Hinsichtlich der Materialentscheidung empfehle ich hier mal einige Soundbeispiele im Internet anzuhören. So kann man schon mal ein Gefühl dafür bekommen, wie unterschiedlich die Anschläge dann tatsächlich klingen. Wenn das nicht hilft, bleibt leider nur ausprobieren und schauen was sich am besten anfühlt und anhört.

Die Form sowie auch die Größe eines Picks entscheidet sich allein durch eure favorisierte Haptik. Da kann euch wirklich niemand sagen welcher Saitenstreichler für euch und eure Musikrichtung am besten ist. Wir sind alle unterschiedlich groß sowie auch unsere Finger und wir schlagen auch nicht alle auf die gleiche Art und Weise unsere Saiten an. Wie das Teil dann zwischen unseren Fingern liegt und was am idealsten ist, entscheidet ihr "leider" allein. Hier machts dann die Erfahrung. Vielleicht ist aber ein Hinweis von erfahrenen Gitarristen an dieser Stelle hilfreich. So könnt ihr zumindest heraus finden, ob es für euch funktioniert und falls nicht, schaut was sich ändern müsste damit es besser funktioniert.  Viele Gitarristen in der Rock- und Metalszene benutzen kleine harte Picks. Durch die geringe Größe schlägt man automatisch nur mit einer kleinen Spitze die Saiten an, was ermöglicht das man schnell auf- und abschlagen kann. Durch die Stärke schwingt das Plektrum unmerklich, so dass ein sehr präzises Spielverhalten ermöglicht wird. Das Material ist natürlich Kunststoff. Das mag zum einen am Preis liegen, aber noch viel eher am natürlichen Klang der Saiten wenn sie durch ein Kunststoffplektrum angeschlagen werden. Die Form unterscheidet sich in dem Fall nicht hexenwerkartig, so dass dieses Attribut regelrecht vernachlässigt werden kann.

Ich persönlich habe etliche Jahre gebraucht um das für mich passende Plek zu finden. Ich wusste lange, dass es ein hartes, eher mittelgroßes standardformartiges Plektrum - vermutlich Kunststoff - sein würde, aber dennoch war es lange nicht das was es mir ermöglicht hat zu spielen wie heute. Ich vermute das liegt an der wareninflationären Überflutung an immer wieder neuen "innovativen" Produkten mit denen die Industrie und der Handel werben. Mein Gefühl sagt mir, es gibt aktuell so viele verschiedene Plektren auf dem Markt wie es jemals Gitarren auf dieser Welt gab und das macht es so schwer das passende zu finden. Ich bin definitiv davon überzeugt, dass es ebenso ein dynamischer Prozess ist, der sich mit der Entwicklung des eigenes Spiels verändert. Somit ist man theoretisch dauerhaft auf der Suche nach dem richtigen Plektrum. Es gibt aber eben auch den Punkt in der eigenen Karriere, da kann man sagen: "Das ist gut, das behalt ich, damit fühle ich mich wohl." Das hält dann so lange bis einem ein besseres den Weg kreuzt.

Schaut zunächst wo ihr euch musikalisch aufhaltet und welche Anforderungen allein die Musikrichtung an das Plektrum stellt. Harte Musik = hartes Pick. ;) Wie soll der Anschlag klingen? Metallisch? Dann nehmt eine Euro-Münze. Für Anfänger gibt es ganze Sets mit unterschiedlichen Pleks. Wenn ihr euch nicht sicher seid welche Form und Größe das Ding haben soll, bestellt ein Set und schaut was sich für euch am besten anfühlt. Natürlich ist alles eine rein subjektive Entscheidung. Alles kann funktionieren, wenn es für euch funktioniert. Es ist im Grunde wie der Kauf einer Gitarre. Man kauft über die Jahre hinweg mehrere Gitarren, bis man so viele ausprobiert hat, dass man sagen kann: "Das ist meins, das gefällt mir, so soll es sein." Sich an Leute zu orientieren, die mehr Erfahrung haben muss aber nicht verkehrt sein.

Ich hoffe sehr mit diesem Blog etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben! Ich würde mich sehr über ein Feedback freuen. Schreibt mir auch gerne wie ihr darüber denkt oder welche Erfahrungen ihr gemacht habt.

 

Stay tuned.

 

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