Griffbrett kennen - Wozu eigentlich und wenn wie?

 

Es soll ja zahlreiche Musiker geben, die weder Noten lesen können noch ihr Griffbrett kennen. Das mag sein, aber ist es erstrebenswert etwas nicht zu wissen und sinnvoll seine Gitarre nicht zu kennen, wenn man sich doch ohnehin schon regelmäßig damit beschäftigt?

 

Fragen wir uns doch einmal: Was ist wenn ich meine Griffbretttöne nicht kenne und wenn ich es auch nicht kennen will? Nun, zunächst einmal kann man via Tabs alles nach spielen, was das Internet so her gibt und nur weil ich nicht weiß wie ein Ton heißt, kann ich ihn ja trotzdem spielen. Also kann ich auch kreativ sein und nach Gehör jegliche Melodien und Akkordfolgen bilden, die mir gefallen. Leute, die hobbymäßig Gitarre spielen haben oft ein wesentlich besser ausgeprägtes Gehör für das Zusammenwirken von Tönen, weil sie von Beginn an hauptsächlich nach Gehör gespielt haben.

 

Kommen wir zu den Kontras: Wer sein Griffbrett nicht kennt, verbringt viel mehr Zeit damit z.B. die Lead- und Rhythmusgitarre aufeinander abzustimmen, oder auch einfach nur um eine passende Akkordfolge zu finden. Oft entstehen dann Lieder aus denen man besser 3 oder 4 gemacht hätte. Das rührt daher, dass man nicht weiß welche Töne man spielt und wie sie in Verbindung zueinander stehen. Auch stößt man wesentlich schneller an seine kreativen Grenzen. Viele lernen Skalen auswendig und wundern sich, dass im Grunde immer alles gleich klingt. Für den einen ist das akzeptabel, für den anderen frustrierend. 

 

Fragen wir uns nun: Wenn ich die Griffbretttöne lerne, welche Vorteile ergeben sich daraus? Der erste Vorteil ist der, dass man die gelesenen Tabs aus dem Internet hinterfragen kann und ggf. umschreiben kann, denn oft können Noten woanders leichter gespielt werden. Ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch, dass man leichter über Akkorde spielen kann, wenn ich weiß welche Töne ein Akkord enthält und wo all diese Töne auf meinem Griffbrett liegen. Demzufolge fällt es leichter zu improvisieren und mit den Optionstönen zu spielen, die mir die Tonart hergibt. Wer sein Griffbrett kennt, weiß tendenziell eher über Tonarten, Intervalle und Akkordstufen Bescheid. Wer diese Kenntnisse hat, weiß mit welchen Tönen man welche Wirkung erzielt und dann entsteht katapultartige Kreativität und Dynamik im Gitarrenspiel.

 

Wer gar nicht kreativ sein möchte, sollte sich jedoch ebenfalls mit seinem Griffbrett beschäftigen. Denn auch wer nur nach spielen möchte wird bevorteilt. Wer mit einem Sänger zusammen in einer Cover-Band spielt, wird schon mal damit konfrontiert, dass die Tonart des original Stücks nicht zur Stimmfarbe des Sängers passt. Der Song muss transponiert werden, also in eine andere Tonart verschoben werden. Das setzt sowohl Theorie- als auch Griffbrettkenntnisse voraus. Und selbst wer nicht in einer Band spielt, dürfte sich das ein oder andere Mal fragen, wie man einen Song, ein Riff oder Lick zu seinem eigen macht. Ja und zu guter Letzt: Und überhaupt!? Was gibt es für einen Grund die Töne auf dem Griffbrett nicht zu lernen, wenn man leidenschaftlich Gitarre spielt? Das ist als wolle man nicht wissen und schmecken was man isst, wo wir doch was Essen müssen.

 

Natürlich gibt es nicht nur Leute, die das Griffbrett kennen und welche die es nicht kennen wollen. Ich denke es gibt noch viel mehr Leute die sich gerne damit beschäftigen wollen - die das Griffbrett im Schlaf beherrschen wollen, aber denen es nicht leicht fällt zu lernen wo welcher Ton liegt, da die Töne ja nun mal sehr abstrakt verteilt sind und genau IHR seid der Grund für diesen Blog.

 

Ich möchte in diesem Blog etwas Aufschluss zu all dem Ton-Wirr-Warr geben und hoffe, dass der Blog euch hilft die Verteilung der Töne zu verstehen sowie das Erlernen der Töne zu erleichtern.

 

Beginnen wir zunächst mit einer klassischen Klaviatur, um erst mal etwas Licht in die Tonverteilung zu bringen.

 

Die Klaviatur beginnt mit einem zweifach gestrichenen tiefen A‘‘ und endet mit einem fünffach gestrichenen c‘‘‘‘‘. So lange man nur die weißen Tasten spielt, spielen wir in der C-Dur-Tonleiter, wie man aus dem Bild entnehmen kann. Die schwarzen Tasten entsprechen all den Tönen, die nicht in der C-Dur-Tonleiter enthalten sind, also dem C#, D#, F#, usw.

 

Hierzu ein kurzer Ausflug in die Theorie: Nehmen wir die Grundlage unserer Musik, die C-Dur-Tonleiter und schauen uns die Halbton- und Ganztonschritte an, verstehen wir den Aufbau der Klaviatur etwas besser.

 

Zwischen dem C und d liegt ein Ganztonschritt. Dann haben wir noch einen Ganztonschritt (GT) von d nach e und von e nach f ist es ein Halbtonschritt (HT), usw. Die C-Dur-Tonleiter ist also in den Schritten 2 GT, 1 HT, 3 GT und 1 HT gegliedert. Vergleichen wir nun die oben abgebildete Klaviatur sehen wir z.B., dass sich überall zwischen dem h und dem c sowie zwischen dem e und f keine schwarzen Tasten befinden. Wir haben also überall dort einen Halbtonschritt, was die zweite Abbildung mit GT-HT-Schritten bestätigt. Zählen wir mal von C bis c in Halbtonschritten alle Töne auf, sieht das wie folgt aus:

 

C      C#   d      d#   e      f      f#    g      g#    a      a#    h      c

 

Nun wollen wir diese Kenntnis auf unser Griffbrett anwenden.

 

Aus unseren Leersaiten auf der Gitarre entsteht die Grundlage, wobei das E die tiefste Saite und e‘ die höchste Saite ist.

 

Würden wir nun von jeder Leersaite Bund für Bund – was einem Halbtonschritt entspricht – abzählen, enden wir im 12. Bund mit der Oktave, also demselben Ton. Auf der Klaviatur kann man sehr schön abzählen, dass von E nach e genau 12 Halbtonschritte liegen. Deshalb wiederholt sich der Leersaiten-Ton auch im 12. und im 24. Bund. Auf der Gitarre sieht das mit der E-Saite betrachtet dann so aus:

 

 

Betrachten wir nun ausschließlich die Töne der C-Dur Tonleiter, entsteht folgendes Bild:

 

 

Nach dem 12. Bund geht es dann gleichermaßen so weiter. Die Tonfolge ändert sich nicht. Habe ich eine Gitarre mit 24 Bünden, habe ich im 24. Bund den Ton e‘, was meiner hohen Leersaite e‘-Saite entspricht.

 

Die Töne der C-Dur-Tonleiter auf dem Griffbrett zu lernen ist für den Anfang vollkommen ausreichend. Die dazwischen liegenden Halbtöne, wie f# usw.,  ergeben sich ganz einfach aus den jeweiligen C-Dur-Tönen darunter oder darüber, wenn ich sie denn benötige.

 

Wie könntest du also vorgehen, um die Töne zu lernen?

 

 

 

Die meines Erachtens beste Variante ist: Auswendig lernen.

 

Du lernst die C-Dur-Töne Saite für Saite auswendig. Dazu reicht der 0. (also die Leersaite) bis 12. Bund. Das sind dann je Saite 7 Töne und da du mit der E-Saite automatisch die e‘-Saite lernst, sind es nur 5 Saiten die du lernen musst. Beim 1x1 musstest du mehr lernen. ;) Präge dir ein wo die Töne liegen. Nutze die gelernten Töne zum improvisieren, um die Töne zu festigen und um sie beim Spielen schneller zu finden. Bleibe beim Töne-Lernen vorerst ausschließlich in der C-Dur-Tonleiter und bewege dich erst oberhalb des 12. Bundes wenn du dir mit den Tönen sicherer bist. Lasse dir Zeit! Du kannst dir z.B. eine Saite pro Tag oder Woche vornehmen. Setz dich nicht unter Druck!

Mache dir auch beim Songs nach spielen Gedanken, welche Töne du spielst und versuche dir Eselsbrücken zu bauen, z.B. wo liegen die C’s, wie heißt der höhere Ton des Powerakkords den du gerade spielst, wie heißt der Ton unter, über, neben dem Ton den du gerade spiele, oder was immer dir einfällt.

 

Es gibt auch diverse Ansätze über Griffbrettgeometrie, um gleiche Töne auf dem Griffbrett hervorheben. Auf diese Weise kann man feststellen, dass sich Muster abbilden lassen. Habe ich nämlich beispielsweise die Töne der E- und A-Saite bereits verinnerlicht, kann ich daraus auf den anderen Saiten abbilden wo sich dieselben Töne befinden. Hier mal vom 0. Bis 12. Bund alle C-Töne.

 

  

Verschiebe ich diese Dreiecksmuster, kann ich beliebige Töne in kurzer Zeit ausmachen, ohne die Töne abzählen zu müssen. Sicherlich ist das hilfreich, wenn man nach Tönen abgefragt wird. In der Praxis finde ich es jedoch etwas fragwürdig, da niemand nacheinander die gleichen Töne spielt.

 

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, C-Dur-Skalen zu lernen. Wer sich die Fingersätze einprägt, ist sicherlich auf einem besseren Weg, um schöne Linien zu bilden. Wer weiß mit welchem Ton die Skala beginnt, kann wieder einfach die C-Dur-Tonleiter hoch oder runter zählen und weiß, welcher Ton wo liegt. Wichtig ist jedoch das einprägen der Töne. Geht man so Skala für Skala vor, lernt man ebenso die Griffbretttöne.

 

 

Ich denke wer sich bewusst macht, dass er lediglich 5 Saiten x 7 Töne (= das ganze Griffbrett beherrschen) lernen muss, um sich den Tönen auf dem Griffbrett bewusst zu werden, der braucht nicht überfordert sein. Alle Gitarrenschüler der MetalAcademy lernen über einen verhältnismäßig großen Zeitraum ausschließlich in der C-Dur-Stammtonart zu spielen. Sie lernen sich dort zu bewegen und frei zu entfalten. Dazu gehören unter anderem eine Menge Fingersätze, aber haben sie all das gelernt, machen sie sich keine Gedanken mehr um einzelne Töne. Sie spielen vollkommen frei in jeder Tonart. Aus meiner eigenen Erfahrung als Schüler weiß ich, wie schwer es ist und auch wie langwierig es ist die Töne auf dem Griffbrett zu lernen und diese beim Spielen schnell zu finden. Es ist schließlich nicht nur das „wie lerne ich die Töne auf dem Griffbrett am besten“, sondern viel mehr das „ich will ein a spielen, aber welches soll ich nehmen und wo ist es“ und das während man gerade die Linie dahin aufbauen will. Es ist ein harter Weg, aber ich garantiere es lohnt sich ihn zu beschreiten. Denn wer, der sich bereits frei auf dem Griffbrett entfalten kann und mit Akkordtöne und Optionstöne improvisieren kann, würde mir widersprechen? Die Töne auf dem Griffbrett zu kennen, sind nur der Anfang von „ich mache mir das Werkzeug meiner Idole zu Eigen“, ohne dass es jemandem auffällt. Es ist auch nur der Anfang davon den eigenen Stil zu entwickeln und mal bewusst den einen und dann den anderen Gitarristen zu imitieren – wenn man denn will.

 

35 Töne sind weder abstrakt, kompliziert, noch eine Masse der ihr nicht Herr werden könnt. Mit den Griffbretttönen nehmt ihr ein Werkzeug in die Hand, dass ihr nie wieder hergeben wollt. Dieses Werkzeug wird zu eurer Wunderwaffe mit der ihr alles erschaffen könnt.

 

 Stop reading and start NOW!!!

 

 

 

Stay tuned \m/